Montag, den 23. Mai 2011 um 09:46 Uhr

inflamesneucover

IN FLAMES "Sounds Of A Playground Fading" 

SKALA 1 BIS 10: 8

RELEASE: 17.06.2011

MySpace  Facebook  /  inflames.com

OUT ON: CDENTURY MEDIA RECORDS

century

 

 

Je größer die Diskografie, desto schwieriger die Einordnung. Was kann man über eine Band wie In Flames sagen, ohne sich zu wiederholen? Drei Grammis, Touren um die ganze Welt, das Bandkonterfei auf unzähligen Merchandise Artikeln, eine Erwartungshaltung, die sich an neun Studioalben misst. All das sind Eckdaten einer Band, die mit dem Göteborg Sound nicht nur ein ganzes Genre miterfunden, sondern sich auf Dauer in die Geschichte des Metal eingebrannt haben. Was darf man von so einer Band erwarten? Vielleicht ist in diesem Fall eine Frage wichtiger als die Antwort.

Wie knüpft man an eine über 20 Jahre dauernde Bandgeschichte an? Wie kann man sich nach neun Alben immer noch neu erfinden, ohne die eigene Identität in Frage zu stellen. Ein Kompromiss den auch In Flames nicht vollends beherrschen. Es wäre ihnen in der Vergangenheit sicher nicht sonderlich schwer gefallen ein Album vom Format einer „Clayman“ zu kopieren – doch will man das überhaupt? Schreckt man Fans mit experimentellem Songmaterial a lá „Sountrack to your Escape“ und „Reroute to Remain“ ab, oder gibt man sich Come-Clarity-mäßig traditionsbewusster? Was darf man den Fans nach einem verspielten Album wie der „A Sense of Purpose“ zumuten? Fans, die in der Vergangenheit der Band schon einmal den Rücken kehrten und die in Zeiten inflationären Musikbombardements unter Umständen kritischer sind als sonst.

Über ein halbes Jahr lang ging es für Anders Fridén und Co. in die bandeigenen In Flames-Studios. Wer hat, der kann könnte man sagen. Produzent Daniel Bergstrand an der Konsole – ein Bild was alteingesessene Studio Footage Gucker ja schon gar nicht mehr anders kennen. Die Rechnungen unterschrieb diesmal Century Media – nach Nuclear Blast und Roadrunner die jüngste Label-Wahl der Schweden.

Gänzlich ohne Vorbereitung sei man an das Album herangegangen. Unvoreingenommen und unbelastet. Das Songmaterial wurde erst im Studio komponiert und arrangiert. Viele Kritiker sehen in dieser Art des Arbeitsprozesses ein Verlust der Spontanität, der Aussage und des Impulses. Stimmen die In Flames nicht zu fürchten braucht, setzt das Album doch die jüngst eingeschlagene Richtungen in Sachen Dynamik und Vielschichtigkeit logisch fort. Eine weitere herbe Enttäuschung für alle Pre-Clayman-Fans. Der albumbetitelnde Introsong schlägt eine eindrucksvolle Brücke zur Ästhetik der „A Sense of Purpose“ und setzt gleichzeitig einen Schlussstein zum zurückliegenden Schaffen. Als wolle man einen Faden lediglich aufgreifen, nur um ihn danach wieder fallen zu lassen. Gründe für eine Weiterentwicklung gibt es viele - vor allem der, dass man es kann und sich eben nicht auf den angegangenen Lorbeeren ausruhen muss.

Weiterhin verließ mit Jesper Strömblad das letzte Gründungsmitglied die Band. 2009 stand er noch einmal für zwei Songs mit In Flames auf der Bühne. Seitdem gibt Niclas Engelin, der die Band schon seit 1997 als Aushilfe begleitet, die Töne auf der Rhythmusgitarre an.

Ein Wandel der seine Spuren hinterlässt? Viele Texte des überaus umfangreichen Longplayers handeln von Selbstzweifel, Versuchungen, inneren Dämonen und Neuanfang. Nicht zuletzt Anders Fridéns Monolog, dessen Stimme in „Jesper‘s Door“ mitten ins Herz zu gehen scheint, machen deutlich, dass es hier etwas zu verarbeiten gilt.  
“But times had changed, i have to defend my actions. The Foundation crumbles and i have to leave“”

Der Sound ist um einiges dichter als vorangegangene Produktionen. Große Räume und breite Synthie-Flächen findet man seltener. Vom düster-drückenden Klang der Gitarren, über streckenweise ungetriggerte Drums bis hin zu Fridéns Reibeisenstimme -  alles wirkt um einiges authentischer und ehrlicher, ohne dabei ins klischeehaft Wehmütige abzudriften. Selbst das Cover, in „A Sense of Purpose“ noch eine blanke Farbenpracht, musste tristem schwarz-braun weichen. Als wolle man einen Teil der unbefangenen Vergangenheit hinter sich zurück lassen. Den Klang des Spielplatzes.

Das Album einen emotionalen Wendepunkt zu nennen, würde den Regler wahrscheinlich um einiges zu weit aufdrehen. Aber auf der Stellung „reifer“ wirkt er ganz gut. Denn Texte, geprägte von subtiler Melancholie gepaart mit dem unverwechselbar melodischen Riffing, sind stille, manchmal weniger stille Zeugen einer Gewissheit, eines Bewusstseins, dass In Flames doch nie mehr so sein werden, wie sie einmal waren.

Hardliner prophezeien an solchen Stilwechseln seit Jahren den schweren Absturz der Band und werden jedes Album aufs neue Lügen gestraft. Rückbesinnung und Selbstreflexion gehen immer zu Lasten der Geschwindigkeit und machen auch „Sounds of a Playground Fading“ sehr viel sperriger und schwerer Zugänglich als seine Vorgänger. Aber darf eine Band sich in ihrem eigenen Genre nicht weiterentwickeln? „Haters gonna hate“ hört man in unterschiedlichstem Zusammenhang aus allen Ecken der Internetgemeinde. Gleiches gilt auch hier, auch wenn die Referenz verwaschen scheint. Denn was ist Göteborg Sound überhaupt? Energetisch aufgeladener Melodic-Death? Modern Metal? Schlussendlich doch alles was In Flames wollen, auch wenn das heißt sich an harschen Elektrosounds zu vergreifen und einen lupenreinen Nine Inch Nails Titel abzuliefern. Zugegeben, „Liberation“ hält als Schmuse-Kuschel-Metal-Ballade nur die aller wenigsten von den Vorwärtsskiptasten ab – aber wie so vieles ist auch das Geschmackssache.

Denn längst bewegen sich In Flames in ihrem eigenen musikalischen Kosmos. Und in diesem Kosmos sind sie das strahlende Zentrum.

 

Tracklist :

01 Sounds of a Playground Fading
02 Deliver Us
03 All for me
04 The Puzzle
05 Fear is the Weakness
06 Where the Dead Ships Dwell
07 The Attic
08 Darker Times
09 Ropes
10 Enter Tragedy
11 Jester‘s Door
12 A New Dawn
13 Liberation

 

DVD REVIEWS

CD REVIEWS

LIVE REVIEWS

SEARCH PITCAM

Werbung

NEXT DROP THE BOMB

dtbseite_uebergang

Facebook

WACKEN 2011

pc_wackenrechts

PITCAM VIDEOS





PITCAM PRÄSENTIERT

pc_tourdatesrechts

UMFRAGE DES MONATS

Welches Festival besucht ihr 2011?