Montag, den 16. Mai 2011 um 12:10 Uhr

aidendisguises

AIDEN "Disguises" 

SKALA 1 BIS 10: 5

RELEASE: OUT NOW

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OUT ON: VICTORY RECORDS

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Victorys Horrorpunk-Hardcorer werfen ihr fünftes Album "Disguises" auf den Markt und somit auf auf meinen Tisch. Die Küchenbestecksammlung "Knives" aus dem Jahr 2009 ist mir eher unangenehm im Verdauungstrakt zurückgeblieben, zumindest aber so hartnäckig, dass ich sofort ahne, was mich erwartet.

Vorweg gebe ich zu, dass ich mit Horrorpunk nie sehr viel anfangen konnte, weder musikalisch noch optisch. AIDEN gehörten demnach auch nicht zu meinem Repertoire aufbauender Musik für den allwöchentlichen Montag. Dem Werdegang der Band kann ich über die Zeit jedoch eine Reife anerkennen, die sich von rein atonalem Kreisch-Geballer hin zu melodischem Grusel-Punkrock entwickelte. William Francis Stimme haftet zudem ein hoher Wiedererkennungswert an. Alles positive Feststellungen, die eine Band lange im Geschäft platzieren kann. Richtig, kann.

"Disguises" fährt verglichen mit "Knives" einen schwereren Klang auf. Der Punk ist in den meisten Songs deutlich breiteren Rockeinflüssen gewichen, ohne die Gitarren ihrer Drei-Akkorde-Riffs zu berauben. "Horror Queen" schraubt sich mit einem zu bekannten Hardcore-Riff ins Ohr, ohne mich stilistisch vom Hocker zu reißen. Auch "Portrait of the Artist" und "Perfect Muse" reiten auf durchschnittlichem Tempo durch das Zimmer und versprühen unpassende Halloweenstimmung. Pluspunkte machen "ReEvolver", "Shine" und "Malevolent Conversion" dank Besinnung auf eine punkige Attitüde, in der dann auch mittelmäßiger Gesang Platz findet. Hier verdeutlicht sich dann auch wiederholt AIDENs Schwäche meiner Meinung nach: William Francis Organ ist mehr Gröllröhre als Melodieträger. Nun ist der Gefallen an stimmlicher Färbung reine Geschmackssache. Es ist deutlich rauszuhören, dass sich der Frontmann an festen Linien mittlerer Tonlage versucht hat, um die allzu hysterische Tonsprünge vergangener Tage zu vermeiden. Hängen bleibt von den oft chorgestützten Bögen gar nichts. Das Songwriting hätte so viel mehr Kraft und Tiefe erzeugen können, wenn es passender und durchdachter angewendet worden wäre. Das gilt für den Gesang sowie für die Instrumentalisierung. In diesem Aspekt können AIDEN nur mit der Single "Hysteria" solide überzeugen.

AIDEN-Fans alter Tage dürfte die Platte an vielen Stellen zu sehr schleppen, Hardrockern könnten sich am grusligen Inhalt den Magen verderben. Ob das Cover von ALKALINE TRIOs "Radio" daran etwas positiv verändert, glaube ich nicht. Der Horror ist "Disguises" nicht geworden, hätten AIDEN dieses Album jedoch als Film produziert, würde mein Fazit lauten: Blutleere Inzenierung mit durchschnittlichen Akteuren.

Denis 2011

 

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