| Dienstag, den 10. Mai 2011 um 13:31 Uhr |
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Die Berliner Metal-Szene ist überschaubar. Bands sind untereinander befreundet, oft die gleichen Gesichter auf den gleichen Konzerten auf der Bühne wie im Publikum. Man kennt sich. Und eine einfach „He, lass doch mal treffen und was einspielen“-Idee kann sich schnell zu einer „Wieviel wollen wir genau für die EP ausgeben“-Aufgabe auswachsen. Zu einfach? Eben nicht. Bestehend aus Mitgliedern von With Abandon, Hostage Down, An Evenings Dawn, As We Said & Mortal Storm haben Constellations wohl einen Bandnamen gewählt, wie er passender nicht hätte sein können. Wenn sich soviel Fachkompetenz schon mal versammelt, und sich dann auch noch im Vorfeld überlegt, wie man eine Bandneugründung richtig angeht, gibt es dick was auf die Ohren. Das Resultat heißt “Failure and Consequences“, gibt es ab 21. Mai zu kaufen und ist metal-kulturell massentauglicher Hardcore fürs Digitalzeitalter. Die fünf Song-EP präsentiert sich zwar wenig organisch dafür aber mit massig Wumms, ist musikalisch durchdacht und technisch verspielt. Die Einflüsse sind reichlich und von Unearth bis For the Fallen Dreams breit verteilt. Mal technisch anspruchsvoll, mal melodisch eindringlich aber nie sperrig - der aufmerksame Hörer mag auch so manches ausgefuchste Detail wahrnehmen, was Langzeitunterhaltung auch nach dem x-ten Durchgang verspricht. Kombiniert mit den genretypischen Apreggio Einlagen und den geschmacksabhängigen Häcksel-Gitarren ergibt das eine Soundwalze mit Wiedererkennungswert, die den Vergleich mit den großen Vorbildern in keiner Weise scheuen muss. Kosten und Mühen? Fehlanzeige. Auch wenn es um Ambitionen und Disziplin geht, scheint es den Berlinern an nichts zu fehlen. Was manch andere Combo nicht in 5 Jahren hinbekommt, stampft man hier in 6 Monaten kurzerhand aus dem Proberaumboden. Selbstbewusst und ohne jeden Zweifel am Erfolg werden Cover, Logo, EP und Promo aus eigener Tasche bezahlt. Der Rest der Aufgaben fällt den verschiedenen Bandmitgliedern anheim - und das alles noch vor dem ersten Auftritt. Mit Anfängerniveau hat das alles nichts mehr zu tun. Produktionstechnisch bewegt man sich hier eindeutig in einer höheren Liga. Auch wenn das heißt, dass das Ego des Einzelnen manchmal zurücktreten muss. Soviel Engagement zieht weite Kreise und Resonanz lässt nicht auf sich warten. Erster Gig gleich mit Shai Hulud und Co. (Pitcam & BML haben berichtet), bereits über 1000 Plays des Onlinesongs, Record Release Party am 21.05 auf der Drop The Bomb vor hoffentlich vollem Haus, bestätigte Gigs im Ausland und am 12.05 geht es auch noch zu Jakob Kranz in die Fritz-Studios. Alles richtig gemacht, Eins! Setzten! Das riecht sogar ein wenig nach Masterplan, sollte aber dennoch locker gesehen werden. Es gehe zwar primär um fordernde Musik, und die Ziele seien auch klar abgesteckt, aber der Spass dürfe nicht fehlen, bestätigten die Youngsters im Kurzinterview. So wurde die EP auch nicht aufgenommen, um Geld zu verdienen, sondern hauptsächlich um sie für 3€ (bzw. 2€ auf der DTB) einer möglichst breiten Masse zugänglich zu machen. Der weitere Vertriebsweg ist noch nicht ganz klar, aber für den geneigten Käufer ist die Facebook-Seite sicherlich eine gute Adresse für aktuelle Infos. Und jetzt? Na Songs schreiben, Fanbase bauen und dann mal gucken. Sonderlich schwer scheinen es die Jungs ja nicht zu haben. Ich sehe da auf jeden Fall ein Full Stack an Potential und erwarte den Langspieler in einem Jahr auf meinem Schreibtisch. © Arne Gerstädt 2011 Tracklist : 01 Failure Gesamt : 14 min |