Montag, den 09. Mai 2011 um 18:16 Uhr

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LETLIVE "Fake History" 

SKALA 1 BIS 10: 9

RELEASE: 12.04.2011

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OUT ON: EPITAPH

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Was steht an, wenn ein Gerne seine eigenen Grenzen mehr als erreicht hat, und Kraft des eigenen Outputs versucht, seine Ausdehnung zu erweitern. In meinen Augen (und Ohren) nur eine Möglichkeit: dem bekannten Repertoire von Stilmitteln Stück für Stück neue hinzufügen, um zum einen gehört zu werden, zum anderen vielleicht im Meer der Klangmonotonie einen Kurs in Richtung Zukunft einzuschlagen.

Beides ergibt sich bei LETLIVE, zumindest für mich. Laut eigenen Aussagen kombinieren sie Post-Hardcore mit so ziemlich allem, was ihnen in den Sinn kommt und scheppert. Diese bittersüße Mischung perlt über die Lippen der Songs "The Sick, Sick, 6.8 Billion" und "Casino Columbus", die teilweise emotional derartig ausbrechen, dass die Hörerschaft verwirrt zwischen panischem Gezappel und ernsthaftem Hinhören gefangen bleibt. Das nennt sich dann Gewöhnungssache, birgt aber viel Potential für langes Hörinteresse. DIE Übernummern auf "Fake History" stellen ganz klar "Renegade 86" und "Enemies/Enemigos" dar! In erstgenanntem Song fetzen Jason Aalon Butlers Gesangslinien in Strophe und Refrain derartig, dass die Nummer ein paar mal über einen Loop laufen muss, damit ich davon genug habe. Das Feindbild besticht direkt danach durch eine tolle Dynamik zwischen Strophen und Refrain inklusive einem völlig unerwartetem A-capella-Mittelteil, in dem LETLIVE beweisen, dass sie mehr sind als eine x-beliebige Post-Hardcore Band.

"Muther" verliert sich verzweifelt in den Versen und explodiert gewohnt harmonisch im Refrain, wobei sich hier viel Screamo- mit Pianogesängen abwechselt. Die Gastsängerin bleibt in der Dunkelheit der Unbekanntheit, ich vermute aber, dort die Pop-Sängerin LIGHTS heraus zu hören, die neben einigen Songs der Szenegröße BRING ME THE HORIZON auch schon einen Track von SILVERSTEIN versüßt hat. Auch des Songs Mittelteil ist unerwartet eine melancholisch schöne Komposition. Daumen hoch! Die Vorabsingle "Homeless Jazz" hat dann wieder keine Lust auf Emo-Gekitzel und packt den Kajal beiseite. Schnelle Punkbeats paaren sich hier mit großen Melodien im Refrain, ansonsten ballern LETLIVE düster-corig aus den Boxen. Es handelt sich hierbei um einen weiteren Anspieltipp des Albums, denn auch hier mit der Mittelteil eine unerwartete Wendung und präsentiert
das Geschick der Jungs aus Los Angeles. Songwriting geschieht hier auf einem hohen Level, ohne sich in zu vielen Strukturen zu verlieren.

Die verbleibenden Songs auf dem dritten Album besitzen selbige hohe Qualität wie angesprochene, ohne jedoch selbe Spitze zu erreichen, wie genannte Anspieltipps. "We, the Pros of Con" pulvert mit ehrlicher Bösartigkeit Kugeln ins Gehör, "H. Ledger" (Überrefrain!) steht, etwas melodischer, unmittelbar dahinter. Über die Länge der Scheibe bleiben LETLIVE dem Prinzip "Strophen-Schreierei-Refrain-Gesang" aber auch vorhersehbar treu. Speziell der Gesang von Butler platziert die Band in einer Nische ihrer Gerne, von der aus sie sich mit "Fake History" lange Gehör verschaffen können. Großartig.

 

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