| Montag, den 04. April 2011 um 11:35 Uhr |
|
SILVERSTEIN "Rescue" SKALA 1 BIS 10: 9 RELEASE: 29. April 2011 MySpace / Facebook / silversteinmusic.com OUT ON: HOPELESS / SOULFOOD
Retten soll uns die neue Scheibe von SILVERSTEIN, und gefüllt soll sie sein, mit "[...] tons of screaming and breakdowns [...]". Dies postulierte die Band Mitte Februar 2011 über ihr Facebook-Profil. Vereinzelte Schnippsel, die durch das Netz geisterten, ließen diese Ankündigung verstärken. Umso überraschender ist dann der Gesamteindruck von "Rescue". So präsentieren sich die kanadischen Mitbegründer des modernen Post-Hardcores im Jahr 2011 und mit Album Nummer fünf deutlich näher am Modern-Rock, als die Vorab-Häppchen "Sacrifice" und "The Artist" es hätten vermuten lassen. Dieser furztrockene Befund könnte Fans der alten Schule jetzt Hals über Kopf aus dem Zimmer fliehen lassen, deswegen sei zur Entspannung auch erwähnt, dass SILVERSTEIN mit "Rescue" in der Reihe ihrer immer zusammenhängenderen Alben nach "A Shipwreck In The Sand" eine zeitgemäße und große Platte produziert haben. Vorweg fällt die megafette Produktion wie Blei ins Ohr, hatten sich die Herren doch immer einem weniger aufgeblasenren Klang hingegeben, als populäre Gerne-Nachzügler. Dank überwiegend tollem Songwriting ist das aber nach einem halben Song schon wieder vergessen. Die Knüppelfraktion wird mit den Nummern "Intervention", der Über-Single/-Song/-Was-Auch-Immer Nummer "Sacrifice", "The Artist" und "Live To Kill" mit sauberem Post-Hardcore-Geballer abgefüttert. Dass die Kanadier dabei schon immer darum bemüht waren, nagelharte Breakdowns mit melodischen Gitarrenläufen von Neil Boshart zu vermengen, beweisen sie auch auf "Rescue". In "The Artist" bekommt Shane Told tatkräftige Unterstützung von Brendan Murphy von COUNTERPARTS, der sich Leib und Seele ausbrüllen darf. Statt auf bewährte Stilmischungen zu setzen, drehen SILVERSTEIN in "Live To Kill" den Spieß um und lassen Herrn Told den Refrain mit einem Shouting-Tornado füllen. Passt! Für die Jungs, die sich gerne als Achse des Pitzirkels sehen, wird "Intervention" die Nummer des Albums werden. Man genieße den Blutblasen-Mittelteil. Wenn ich so schnell meinen Jackenreißverschluss auf und zu machen würde, wie Boshart und Bradford hier ihre Gitarren bespielen, würde ich dampfen wie Micheal Jackson in "Thriller". Das zweite Gesicht von "Rescue" gestaltet sich besagt modern-rockig. Das vorab veröffentlichte "Burning Hearts" bietet als Orientierung hierbei eine gute Basis. In diesem Rahmen sind "Forget Your Heart", "Replace You", "Texas Mickey" und "Darling Harbour" wieder zu finden. Grundlage sind schnelle, straighte Beats, klarer Gesang seitens Told, und saubere Gitarrenlicks ohne viel corigen Schnick-Schnack. In "Texas Mickey" kollaboriert die Band mit dem Sänger Anthony Raneri von BAYSIDE, und wartet mit einem der besten Refrains auf, den das Album zu bieten hat. Während "Darling Harbour" durch die Boxen läuft, bin ich zuerst etwas verwirrt. Damit könnte man SILVERSTEIN ganz locker im Mainstreamradio spielen! Vom Songwriting her eine geniale Nummer, in der die Jungs klar einen riskanten Schritt nach vorne wagen, und mit schicker Hookline klar bestehen können. Mir persönlich gefällt der Ausflug in diese Gerne-Gefilde außerordentlich gut, haben SILVERSTEIN über die letzten vier Longplayer doch gezeigt, dass sie ihr musikalisches Spektrum mehr als gekonnt ausgelotet haben. Mit "In Memory Of..." (tolles Outro), "Good Luck With Your Lives" und "Medication" haben sich noch ein paar strukturuntypische Songs eingefunden. Mit ihrer Halbballade "Good Luck [...]" erzeugen die Kanadier eine ähnlich sphärische Stimmung, wie mit ihrem Titeltrack des Vorgängeralbums, "In Memory Of..." geben sie sich ebenfalls dem Swing hin und scheppern melodisch aus dem Album in die Ruhe. Ähnlich wie bei "Forget Your Heart" finden sich auch hier in den Mittelteilen noch Wutausbrüche, sind diese jedoch deutlich reduzierter, als in älterem Material. "Medication" schmilzt alle auf der Scheibe verwendeten Klänge zusammen und stellt ein refrainloses Songmonster dar, welches insgesamt am wenigsten punkten kann. Auf jeden Fall rollt hier der Moshpit nochmal kräftig! SILVERSTEIN verdienen sich mit "Rescue" ganz klar meinen Respekt und wagen gleichzeitig musikalische Ausflüge in angrenzende Felder. Review von Denis Winkelmann |