Darf man eine Review mit dem Satz anfangen: Da is ne ganze neue Scheibe zu mir rein geweht & wenn es sich bei der Band um WINDS OF PLAGUE handelt? Ich versuch es einfach mal, denn eine besser Einleitung, als dieser meteorologische Billigwitz fällt mir dazu wirklich nicht ein. Die Deathcorer aus dem Staat des Gouvernators legen nach und veröffentlichen nach zwei jähriger Abstinenz ihr drittes Album bei Century Media. Against the World - na gut, dann eben gleich gegen alle. Warum auch nicht? Genug Aggressivität bringen die 12 Songs ja mit. Leider aber auch nicht viel mehr. Partielles Auf- die - Fresse Riffing a là WHITECHAPEL wechselt sich stetig mit Hardcore-Griffbrett-Arbeit ab. Den Sound hab ich aber doch schon mal gehört ...?!
Ein Blick ins Booklet bringt Klarheit und offenbart Matt Hyde als Produzenten des streckenweise nach HATEBREED klingenden Silberlings. Jamey Jasta von selbiger Metaltruppe durfte auch gleich Mitsingen, sowie Mitglieder von STRAY FROM THE PATH, TERROR und FOR TODAY!
Die soundtechnische Revolution wurde trotz der geballten Fachkompetenz zugunsten der wiederholten Verwendung des Deathcore Standartbausatzes dennoch abgeblasen. Trigger? Check ! Getrippelte Gitarrenwände? Klar doch! Crew-Shouts & Low-Pitched Voices? Immer! Chemablo? Natürlich, & warte mal Chembalo ? (Most Hated) Seit Decimate the Weak (2007) ist es der geneigte W.O.P-Hörer ja gewohnt, dass die Jungs und Mädels eine ähnliche breite Sample-Instrumentierung auffahren, wie man es sonst nur von DIMMU BORGIR Platten kennt. Man muss dabei aber den Unterschied beachten, dass so etwas ziemlich schnell nach hinten losgehen kann, wenn das 20 Mann Orchester aus der Retorte eben genau als solches identifiziert werden kann. Unglaubwürdigkeit ist die unweigerliche Folge.
Überhaupt vermisse ich eine einheitliche Linie, die das Album sowohl stilistisch als auch soundtechnisch zusammenhält. Zu unstrukturiert drängen sich die breiten Synthi-Passagen immer wieder in den Vordergrund, um danach von übersteuerten Gitarrenbreakdowns zu Deathcore-Sushi verarbeitet zu werden. (Drop The Match bei 2:26) Aufgesetzte Kinderreime als Plattenintro und der inflationäre Gebrauch von Gangsterattitüden runden das Klischee Ensemble ab. Haben sie in Built for War wirklich Shotgun-Samples verbaut? Ja, haben sie! Und spätestens wenn ich mittels plakativem Sprechgesang in Warrior Code selbigen vorgebetet bekomme, stelle ich mir doch inständig die Frage, ob man hier nicht mit einem dezenten aber dafür konsequent japan-orientierten Image besser gefahren wäre, als sich in diesen Patchwork-Artigen Genremix zu stürzen. Da verspricht das Cover mehr, als die Platte halten kann. Für den nächsten Langspieler wünsche ich mir ein paar der gefühlten 100 Special-Super-Sonder-Editionen weniger, und dafür eine Ladung vernünftiger Songs.
Put your Hands up, and reach for the Sky
Do what i say, or let the bullets fly.
Das ist doch wohl nicht euer Ernst, oder ?
© Arne Gerstädt 2011
Tracklist:
01 Raise The Dead
02 One For The Butcher
03 Drop The Match
04 Built For War
05 Refined In The Fire
06 The Warrior Code
07 Against The World
08 Monsters
09 Most Hated
10 Only Song We're Allowed To Play In Church Venues
11 California
12 Strength To Dominate
Gesamt: 39 min.
Für Freunde von: Born of Osiris, Hatebreed
Anspieltipps : Strength To Dominate, Monsters