| Montag, den 28. März 2011 um 12:06 Uhr |
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TESSERACT "One" SKALA 1 BIS 10: 8 RELEASE: OUT NOW MySpace / Facebook / tesseractband.co.uk OUT ON: Century Media
Die fünf Groove-affinen Progressive-Metaller von der Insel warten hier mit einem Debut auf, was zwar zur Hälfte die Songs der 2010er EP „Concealing Fate“ verarbeitet, diese aber neu aufgenommen sind und sich, wenn auch streckenweise etwas holprig, stilvoll in das neue Material einfügen. Skeptiker aus der letzten Reihe dürfen an dieser Stelle gern die Worte „Zweitverwertung“ und „Geldschneiderei“ ins Mirko husten - Ich nenne so etwas sinnvolle Entwicklung und produktionstechnischen Fortschritt. Und in der Generation von MESHUGGAH 2.0 tut sich eine Menge. Ich hatte schon lang keinen Silberling mehr in der Hand, der sich durch ein auch nur annähernd so hohes Maß an Innovation, Spielfreude und musikalischem Know-How auszeichnet und dabei gleichzeitig einen Sound kreiert, den man unter Hunderten wiedererkennt. Die 55 Minuten sind vollgepackt mit melancholisch tendenziösen Midtempo Grooves und einer Bassarbeit die man seit MUDVAYNES LD50 Zeiten wohl nicht mehr gehört hat. Stimmungsvoll akzentuierte In- und Outros leiten die Song perfekt ineinander über, geben einen entspannenden Kontrast zu hitverdächtigen Hooklines wie in „Deception“ und nehmen dabei dem Material doch nie die nötige Schärfe - man hört ja schlussendlich immer noch Metal, oder ? Auch wenn die Stunde musikalischer Höchstleistung Progressive-Metal untypisch komplett ohne Solo auskommt. Das gibt Abzüge in der B-Note. Weiter im Text … Langgezogene flächige Vocals, Zweit- und Drittstimmen, sinnvoll gesetzte Screams, da wird geflüstert, gelayert, und man weiss irgendwie gar nicht wohin mal zuerst hören soll. Zum Teil Synthesizer-artige saubere Gitarrensounds - Gearfreaks hören das AxeFX sofort raus - tauchen aus ihren eigenen Hallfahnen auf und ab, komplettieren das makellose melodische Riffing und verbieten in ihrer kühl wirkenden Distanz die Platte gleichzeitig für jeden Club. Allenfalls für die dunkle Heimfahrt mit der S-Bahn, bei der auch auffällt, dass die Platte eben nicht wie manch andere Produktion Lautheitstechnisch an die Wand gefahren wurde. Röhrenamps auf Gain-Stufe 11 suchen Freunde infernaler Griffbrett-Schredderei hier vergebens. Mit ausgesprochener Hingabe und chirurgischer Präzision wurde hier eine filigrane Gesamtästhetik ausgearbeitet, die sich vom Sound bis zum Coverdesign verfolgen lässt - auch wenn das Booklet zuweilen etwas plump wirkt. Kitschige Lyrics inbegriffen. Ganz im Stile der stetig wachsenden Djent-Szene, die es scheinbar allein über selbstproduzierte und gratis veräußerte Videos / Songs schafft, Plattenverträge an Land zu ziehen, haben Tesseract auch bei ihrer ersten Full-Length Veröffentlichung nichts aus der Hand gegeben. Mastermind und Gitarrist Acle Kahney (Ex-FELL SILENT) zeichnet sich verantwortlich für alle Songs, die Produktion, das Recording, den Mix und das Bookletdesign. Die restliche Band durfte teilweise mithelfen. Und weil er wahrscheinlich neben der umfangreichen Nordamerika Tour immer noch Langeweile verspürte, hat er die DVD zum Album ebenfalls mit produziert. Die gibt es je nach Plattenticker in der Special Edition für 2-4 € zusätzlich, und enthält neben unspektakulärem Tour - und Studiofootage immerhin interessante Reviews zum Equipment und einen Videomitschnitt des Liverecordings der Concealing Fate Songs - geremixt auf wahlweise 2.0 und 5.1 - man muss ja mit der Zeit gehen. Das alles klingt nicht nur äußert sympathisch – das ist es auch. TESSERACT inszenieren sich mit ONE auf allen Ebenen bewusst oder unbewusst zum Musterbeispiel eines Newcomers – ambitioniert, fähig und innovativ. Aus der Richtung wird man wohl noch eine Menge hören.
Acle Kahney - Guitars Anspieltipps : Deception, Lament, Eden Tracklist : 01 Lament 11 Eden (Nur auf der Special Edition) |