Mittwoch, den 16. März 2011 um 11:28 Uhr

adept1

OUR LAST NIGHT "We Will All Evolve" 

SKALA 1 BIS 10: 6

RELEASE: 30.April 2011

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OUT ON: EPITAPH

 

 

 

Der Klang der fünfköpfigen Band aus Hampshire in den Staaten gestaltet sich von Sekunde eins an als ein hübscher Mix aus brechharten Metalcore-Elementen und Post-Hardcore der besten Sorte. Opener "Elephants" rumst dann auch mal ohne Danke und Bitte durch's Wohnzimmer, wie eine aufgestachelte Herde Dickhäuter, getreu dem Motto: Moshpart, Sing-Sang-Part, Moshpart, Sing-Sang-Part, Breakdown. Okay. Song Nummer zwei auf dem zweiten Album "We Will All Evolve" präsentiert dann schon mehr Gerneabwechselung und setzt ganz auf elektronische Spielereien und den cleanen Gesang von Matt Wentworth. Auch OUR LAST NIGHT sind nicht frei vom Klischee, die Gesangsleistung auf zwei
biologische Resonanzräume aufzuteilen. Hier teilen sich das jedoch zwei Sprösslinge selben Bluts. Trevor Wentworth kümmert sich um die wirklich genial geratenen Screams und Shouts, Matt macht den sauberen "Rest". Das Verhältnis ist aber sauber in der Waage gehalten worden.

"Mouth Machine Gun" durchsiebt das Ohr mit der ersten größeren Hookline. Das Tempo des Songs gibt dem Hörer das Gefühl, irgendwo in einem Patronenmagazin zu sitzen und darauf zu warten, dick durch die Röhre zu schlidern, was dann im Mittelteil auch eisenhart geschieht. Der Song ist definitiv ein Anspieltipp! "Across The Ocean" verdient sich dann ebenfalls das Prädikat "Toll", dank schöner ruhiger Passagen und Hammer-Moshpart im Mittelteil. Nur der Breakdown in den letzten zehn Sekunden entzieht sich meinem Verständnis für Komposition. Sicherlich gilt: Geht nicht, gibt's nicht, dennoch hat man mehr als einmal das Gefühl, dass OLN gewollt viele Themen in die einzelnen Songs packten, was dann hin und wieder stört. "Deceiver" pustet alle Zweifel davon, speziell der Mittelteil bricht einem das Genick. Die Gebrüder Wentworth beweisen auch hier, dass sie in puncto Songwriting ihren deutlich bekannteren Gerne-Vertretern wie AS I LAY DYING oder IT DIES TODAY in nichts nachstehen. Gerade zu letztgenannter Band sind die Parallelen deutlich, auch wenn OLN sich im Harmoniebereich klare Post-Hardcore Strukturen zeigen, die IT DIES TODAY fehlen.

"You lived a lie [...]" singt Matt in "The Devil Inside You" während Trevor mitsamt Restband den wohl heftigsten Metalcore-Sturm des Albums loslässt. Die Gitarrenläufe sind wenigsten einen Durchlauf wert, eigentlich auch einen zweiten. Saubere Arbeit Jungs! Der Song ist einer der Favoriten. Mit "Distance Is Destroying Me" schmecken OLN nach Standard-Steak. "Carry Me to Safety" offenbart den Hang zu experimentellerem Hardcore, im Stile von A SKYLIT DRIVE. Mit "Into The Future" stimmen OLN albumuntypische Töne an, die zum Ende hin die Stimmungskurve noch in eine positive Richtung schwingen lassen, gehören die restlichen Songs doch klarer Mol-Stimmung an. Man könnte den Song fast schon als Pop-Punk(-Hardcore) Nummer bezeichnen. Der Titeltrack schließt recht gerne-unspektakulär, obwohl der Breakdown im Mittelteil lecker das Tempo runterschraubt, um dem Hörer dann die Birne abzuschrauben. Darum liebe ich diese Musik! Unter'm Strich bietet "We Will All Evolve" Post-Hardcore vs. Metalcore auf hohem technischen Niveau, ohne sich großartig festzusetzen. Das fehlt den Jungs. Noch eine Geschichte zum Abschluss: Irgendwo auf dieser Welt zieht ein fahrender Hardcore/Post-Hardcore DJ mit seinem Mac umher, der alle paar Monate in einem Ort Halt macht, um jungen und alten Hartwurstlern mit genug Hang zur Melodie ein paar Loops aus seiner Traumkiste zu schenken. Oder vielleicht doch verkaufen? Die Nachfrage steht auf jeden Fall nach wie vor im Zenit.

Review von Denis Winkelmann

 

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