Dienstag, den 15. März 2011 um 14:45 Uhr

Defeater_EmptyDaysSleeplessNights

DEFEATER "Empty Days & Sleepless Nights" 

SKALA 1 BIS 10: 9

RELEASE: OUT NOW

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OUT ON: BRIDGE NINE

bridgenine

 

 

Die Geschichte, die Defeater schreiben ist keine neue – es geht um Tragik, den Verlust der Unschuld, innere Verzweiflung und Zerrissenheit, über die Richtigkeit des eigenen Handelns. Weiterhin der Niedergang einzelner Personen und der Versuch des Überlebens unter unwürdigen Zuständen in Zeiten, die wir nur aus Büchern kennen. Genau das ist es, was Defeater auszeichnet: die Zeit. Eine andere Zeit und dennoch hier, im Jetzt, der Gegenwart.

Sie sprechen von einer Zeit, in der es noch ein teilweise lebensbedrohliches Problem war, wenn man eine andere Hautfarbe hatte, wenn man aus einer Gegend kam, in welcher Armut und Elend herrschte und es kein Entkommen gab, außer in Alkohol, Drogen, Gewalt oder gar die Flucht in das Unbekannte. Angst, Schrecken, Wut und Enttäuschung sind kennzeichnend für jene Vergangenheit, in der ungewiss war, was noch kommen mag.

Defeater schaffen es, diese Welt zu beschreiben in einer Weise, die einen berührt und gleichzeitig wütend macht – und am Ende alleine lässt. Die erzählten Geschichten spiegeln die verloren Werte einer vergangenen Zeit wider und stellen das eigene Ich der Gegenwart vor die Frage, wie man selbst unter solchen Umständen gehandelt hätte.

Der Schlüssel darin ist die Musik. Die Aggressionen und die Kraft des Punk und Hardcore zu nehmen: Spielraum lassen, wenn die Wut in den Songs Weite braucht, ebenso wie den Momenten Raum lassen, die Ruhe brauchen. Sie integrieren mehr Melodien als zuvor in die Songs, genau an den richtigen Stellen, um die Story voranzutreiben und ihr den nötigen Druck zu verleihen. Zur selben Zeit werden sie laut und wütend in Passagen, die es erfordern, sei es wegen der Geschichte oder der Stimmung. Wenn es notwendig ist, ziehen sie einfach den Stecker und lassen nur eine Stimme und den Klang der Gitarre allein die Geschichte erzählen.

Genau das ist vielleicht der Punkt, der Defeater zum Verhängnis werden kann. Sie haben mit ihren vorherigen Veröffentlichungen „Travels“ und „Lost Ground“, aber eben ganz besonders mit ihrer neuen Platte „Empty Days & Sleepless Night“ den Standard sehr hochgelegt.
Es ist gut, es ist intelligent, es ist viel. Vielleicht zu viel.
Die Spannung wird zwar gehalten über die gesamte Länge, aber da sie eine Stimmung erzeugen, die den Hörer einnimmt, kann es ermüdend wirken oder als zu lang empfunden werden. Sie müssen ihre Geschichte erzählen – sie wollen, sie sollen. Man muss sich aber bewusst dafür Zeit nehmen, denn einfach nebenbei hören geht in den meisten Fällen nicht.

Defeater machen Lärm und wollen, dass sie gehört werden. Sie müssen es, sonst würde diese Geschichte nicht funktionieren, aber sie vergessen nicht, dass jede Wut und jeder Zorn auch Momente hat, die nicht wild, chaotisch oder destruktiv sind. Sei es aus Hoffnung, der Träumerei oder des Schmerzes, denn das eine kann ohne das andere nicht existieren.

Insgesamt ist es ein wunderbares Album. Es ist homogen, ehrlich und zieht einem in den Bann mit hymnenartigen Geschichten über Verzweiflung und zwischenmenschlichen Rissen. Die Frage stellt sich aber: „Was wird jetzt kommen? Wie sollen sie es schaffen, weiter zu machen ohne sich selbst nach zu spielen und zu wiederholen?“

Defeater sind dennoch mit Recht eine der wichtigsten Bands einer Subkultur, die vielleicht wieder etwas zur Besinnung kommt. Zwar langsam, aber der richtige Weg ist eingeschlagen...
Wir werden es sehen. Bis dahin zelebriert dieses Album und hört bewusst hin.

 

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