| Donnerstag, den 10. März 2011 um 23:57 Uhr |
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GUANO APES "Bel Air" SKALA 1 BIS 10: 9 RELEASE: 01. April 2011 OUT ON: SONY MUSIC
2003 (!!!) erschien mit "Walking On A Thin Line" das vorerst letzte, wie ich finde beste, Album der deutschen Hardrock/Alternative Band GUANO APES, die sich nach einigen Touren im Jahre 2006 auflösten. Wie durch ein Interview bei Whiskey-Soda durch Dennis Poschwatta bekannt gegeben, ging es damals hauptsächlich "[...] ums Geld. Das (sei) ja auch das häufigste Problem, weswegen sich Bands auflösen [...]". In all den Jahren danach blieben alle Musiker der Band aktiv, Sandra Nasics Soloprojekt sollte dabei am ehesten im Gedächtnis geblieben sein. Im Frühling 2009 dann die Hoffnungsmeldung: GUANO APES formieren sich neu! Der Schauer war ähnlich schön, wie die inhaltsgleiche Meldung aus dem Lager der weichen Kekse. Nach erfolgreichen Auftritten bei "Rock am Ring" und "Rock im Park" kündigte die Band 2010 ein neues Album an, welches dann für April 2011 angelegt wurde. Nun meine Herren BIZKITs, auf ihr wertes Auferstehungswerk warten wir ja noch etwas. Was bietet eine der bekanntesten deutschen Rockbands nun nach der Rückkehr? Opener und Single "Oh What A Night" startet recht verträumt in die Promotionsplatte, nimmt dann mit geiler Schlagzeug-/Bassklärung Fahrt auf. Sandra zwitschert zuckersüß daher, was beweist, dass ihr Soloausflug und die Rock-Pop-Welt ihr gut tat. Es gibt nach wie vor nichts gegen die rotzigen Meckerausbrüche vergangener Tage zu sagen, nur empfinde ich ihre cleanen Vocals von heute passender. Der absolut trendige Mix der Platte fällt von der ersten Sekunde stark auf: zu schwere Gitarren sind Indieklängen gewichen, die dennoch warm und fett durch die Hörer dampfen, die Beats von Poschwatta kommen gerade und schnell. Sandra postuliert singend, dass es diese Nacht keinen Stillstand geben wird für die Affen. Rundum also eine tolle Eröffnung. "When The Ships Arrive" trabbt sich dann eher gelassen ein, wartet mit einem tollen Refrain auf, um dann im Mittelteil ins Traumland abzutauchen. Ich stehe ja total auf sich entfaltende Melodiesuppen, welche durch schleppenden Rhythmus begleitet werden. Der Song zündet nicht beim ersten Durchlauf, zeugt aber von sehr erwachsenem Songwriting. Ich fühle mich an die Zeiten von "Walking On A Thin Line" erinnert. Die nächste tanzbare Nummer heißt dann "Fire In Your Eyes", dessen Gesangslinie im Refrain so szenig wie radiotauglich daher kommt. Wieder wirken Schlagzeug und Bass sehr dynamisch im Hintergrund zusammen, um Sandra und Herrn Henning Rümenapp stark zu stützen. Die Tendenz der GUANO APES heißt für 2011 ganz klar: Pop/Indie/Alternative. Das aber mit einer Raffinesse und Coolness, bei der so einige britische Lederjackenträger neidisch werden dürften. Auch "Sunday Lover" macht diskofähig weiter und treibt die Spaßkurve schön nach oben. Die Arrangements erinnern hin und wieder an die Trickkisten von ANGELS AND AIRWAVES und LINKIN PARK, Instrumente und Stimme behalten aber souverän die Oberhand. Dies ist auch den magischen Mischerhänden von Tom Lord-Alge (Coldplay, U2, etc.) und Terry Date (Pantera, Deftones, etc.) zu verdanken, die ja in diesen Gerne wahre Giganten darstellen. "This Time" eröffnet eine Abrechnung, in der Sandra klar stellt: "[...] this time I will make sure that you feel insecure [...]". Auch diese Nummer läuft sauber produziert dahin, ohne durch Überproduktion oder übermächtiges Orchester im Refrain unauthentisch zu wirken. Schon fast entspannend. Die Werbungsnummer "Fanman" setzt dann wieder auf das Konzept Marke "Oh What A Night": leichte Strophe, schicke Effektierung auf Sandras Stimme, geiler unverschämt einfacher Refrain, mit cooler Hookline. Zum Ende hin packen GUANO APES dann doch noch mal die Samtstäbchen beiseite und hauen instrumental auf's Brett. Auch das Outro macht echt Spaß, 0815 ist hier nicht. Ich bin angenehm begeistert. Die große Überraschung bietet die (leider) letzte Nummer auf der mir vorliegenden CD mit dem Namen "All I Wanna Do". Erst denke ich, dass sich hier ein reiner Elektro-Party-Track eingeschlichen hat, um halt die Clubs zum Release abzuspeisen. Aber -Ähhh- falsch gedacht. Trockene Drums und ein sauberes Punkriff folgen, bevor der knatzige Bass die Strophen dominiert. Die Hookline ist danach so einfach wie mitgröhlverdächtig. Der Abschluss des Tracks bietet dann ebenfalls viel Unerwartetes für's Ohr. Wenn die restlichen Tracks von "Bel Air" auf die gleiche Weise leuchten, wie die gehörten sieben hier, dann steht demnächst ein Album in den Läden, dass eine gereifte und moderne Band präsentiert, und das Review von Denis Winkelmann |