| Donnerstag, den 15. September 2011 um 15:34 Uhr |
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Between the Buried an Me Animals as Leaders Doyle
Stadt: Berlin Datum : 14.09.2011 Location : Magnet Club
14.09. Berlin. Es werden musikalische Hochkaräter kredenzt. BETWEEN THE BURIED AN ME und ANIMALS AS LEADERS haben geladen. War diese Bühnen-Combo einst nur in den Staaten unterwegs, schaffen sie dieses Jahr den Sprung nach Europa, vor ausverkaufte Häuser. Ein Publikumsmagnet, dem sich auch PITCAM nicht entziehen kann.
Zunächst wird aber die Bühne frei gemacht für DOYLE. Die 5 smarten Franzosen warten mit einer Mischung aus Screamo, Post-Hardcore und Ambient-Elektro auf, und stoßen damit auf weitesgehend taube Ohren. Nur locker gefüllt zeigt sich der eigentlich ausverkaufte Magnet-Club, und angesichts des noch folgenden Aufgebots sind die Fans auch leider sehr desinteressiert. Diesen Umstand und ihren Status als Opener völlig ignorierend, machen die Pariser trotzdem Party als wären sie Headliner und präsentieren der Hauptstadt Stücke aus ihrem letzten/ersten Album. Man macht aus der Not eine Tugend. Warum sich auf der kleinen Bühne drängeln, wenn im Publikum noch Platz genug ist. So singt Thomas V “Almoust Quiet” und “And Gods Will” schon mal aus der dritten Reihe, vom FOH Platz oder vom Bartresen aus - Funkstrecken machen es möglich. Takami Nakamoto samt Klampfe macht es ihm nach. Die Single zum Video “John Airence” zum Abschluss und man räumt nach 30 min. das Feld. Schade! Mit etwas alternativeren Mainacts wäre hier für die Jungs mehr drin gewesen. So stehen sie zu sehr im Schatten eines Tosin Abasi.
Ja, auf ihn hatte man gewartet - und mit einem mal ist die Hütte voll. Die Menge kann gar nicht nah genug stehen, wenn die Flitzefinger-Götter von ANIMALS AS LEADERS musikalisch Hochwertiges bieten. Noch nie zuvor hatten sie die Bundeshauptstadt besucht. Es schien als wolle sich kein Berliner Gitarrist diesen Gig entgehen lassen. Frenetischer Jubel als der Meister die Bühne betritt und “Waves Of Babies” und “Song Of Solomon” präsentiert. Großes Moschen erwartet man hier vergebens. Die Menge macht lange Hälse und nickt gewohnt untight zu den komplizierten Kompositionen. Einen Vorgeschmack zum neuen Album gibt es ebenfalls bevor “Throughly At Home” und ”On Impulse” anstehen. Tosin verteilt Saiten-Orgasmen, und sein Klampfe braucht genau wie das Publikum definitiv eine After-Gig Zigarette. Der Mann mit den goldenen Händen wird gefeiert wie eine Pop-Ikone und kann getrost auf Ansagen, Bühnenperformance, und sonstige Showeinlagen verzichten. Musikalisches Know-How von überirdischem Niveau reicht hier mehr als aus, um die Menge in Stimmung zu versetzten. Was man sich bei Doyle vergeblich versuchte zu erarbeiten wird bei A.A.L. einfach vorausgesetzt. Tiefster Respekt vor dem Schaffen eines großen Künstlers. Die Single „Cafo“ zum Abschluss und es bleibt die Frage ob 30 Minuten Instrumental-Metal ohne Bass und Gesang nicht langweilig werden können. 16 Saiten auf 2 Gitarren geben eine eindeutige Antwort. Sie lautet: NEIN!
Ein drittes Mal werden die Lichter gedimmt, und wer jetzt noch nicht im Raum ist, quetscht sich in die letzten Reihen um einen Blick auf den Headliner zu werfen. BETWEEN THE BURIED AN ME geben mit “Specular Reflection” einen grandiosen Auftakt, nur um danach den Sound wieder abwürgen zu müssen. Der nicht länger zurückhaltbare Harndrang von Schlagzeuger Will Goodyear zwingt die Band zu einem spontanen Piss-Pausen-Jam. Die drückende Blase weicht, die Soundprobleme bleiben. Wiederholte “Turn me up” Gesten von Sänger Tommy Rogers bleiben unberücksichtigt, und auch die Saitenfraktion wirkt spärlich ausgedünnt. “Argument Of Rebirth” ist entsprechend flach. Ob hier der Kontrast zum eben gehörten Gitarrenbombast einfach zu groß ist, oder der Sound wirklich zu mager war, sei mal dahingestellt. Band und Crowd lassen sich noch bis zu “Obfuscation” Zeit, bevor man gleichsam auftaut. Die soundprobleme wurden entweder getrost ignoriert, und tatsächlich behoben. “Disease, Injury, Madness” wird auf jeden Fall euphorischer bejubelt. Fans der “Great Misdirect” haben ihre Freude. “White Walls” und “Selkies” als Schlusspunk, und leider ist danach auch schon wieder alles zu Ende. Was bleibt, sind Erinnerungen an einen musikalisch höchst anspruchsvollen Abend und die Gewissheit, dass Bands von diesem Format in Berlin immer noch am besten ankommen.
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